Das UWS-Mitglied d.velop treibt die Integration Künstlicher Intelligenz in klinische Arbeitsprozesse voran. Dr. Nils Benning zeigt am Beispiel der OP-Vorbereitung, wie sich KI vom intelligenten Suchwerkzeug zum eigenständig agierenden Assistenten entwickelt.
Wer eine Operation vorbereitet, benötigt zahlreiche Informationen über die Patientin oder den Patienten. Relevante Befunde, Vorerkrankungen oder frühere Behandlungen müssen häufig aus umfangreichen Patientenakten zusammengetragen werden. Allein diese Recherche kann 30 bis 45 Minuten pro Patientin oder Patient in Anspruch nehmen. Zeit, die im klinischen Alltag knapp ist.
Wie Künstliche Intelligenz solche Aufgaben vereinfachen und perspektivisch sogar eigenständig vorbereiten kann, zeigte Dr. Nils Benning, Team Lead und Manager Product Strategy Healthcare von d.velop und Vorstandsmitglied von United Web Solutions, anhand konkreter Anwendungsszenarien. Seine zentrale Botschaft: KI entwickelt sich von der Unterstützung auf Anfrage hin zur automatisierten Bearbeitung wiederkehrender Aufgaben.
Informationen schneller finden und gezielt nutzen
Den Ausgangspunkt bildet Retrieval Augmented Generation (RAG). Die Technologie ermöglicht es, Informationen aus vorhandenen Dokumenten mithilfe eines Sprachmodells zu recherchieren, zusammenzuführen und verständlich aufzubereiten.
Mit dem d.velop Assistenten können Ärztinnen und Ärzte beispielsweise in natürlicher Sprache nach relevanten Informationen für eine bevorstehende Operation fragen. Die KI durchsucht die verfügbaren Patientenunterlagen und stellt die Ergebnisse strukturiert zusammen. Über Verweise auf die Originaldokumente lassen sich die Informationen unmittelbar überprüfen.
Aus der klassischen Dokumentensuche wird ein dialogorientierter Zugang zu medizinischem Wissen. Die fachliche Bewertung bleibt dabei in ärztlicher Hand.
KI wird zum Bestandteil klinischer Prozesse
Noch mehr Potenzial entsteht, wenn KI Informationen bereits vorbereitet, bevor Anwenderinnen und Anwender danach fragen. Am Beispiel der OP-Planung skizzierte Benning, wie sich der d.velop Assistent in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lässt. So könnte die KI bereits nachts die Patientenakten für die anstehenden Operationen durchsuchen und relevante Informationen zusammenstellen. Wenn der OP-Manager morgens seine Arbeit beginnt, liegen die Ergebnisse bereits vor. Die Rolle der KI ändert sich damit grundlegend: Sie reagiert nicht mehr ausschließlich auf einzelne Anfragen, sondern übernimmt definierte Aufgaben innerhalb eines Prozesses.
KI-Agenten übernehmen komplexere Aufgaben
Der nächste Entwicklungsschritt sind sogenannte KI-Agenten. Sie können übergeordnete Aufgaben selbstständig in einzelne Arbeitsschritte zerlegen, benötigte Informationen recherchieren und die Ergebnisse zusammenführen.
Wie das funktioniert, verdeutlichte Benning anhand der OP-Checkliste zur Patientensicherheit. Statt jeden Prüfpunkt einzeln abzufragen, könnte ein KI-Agent die erforderlichen Informationen aus verschiedenen Dokumenten ermitteln und daraus eine weitgehend vorausgefüllte Checkliste erstellen.
Die zuständige Fachkraft erhält damit ein vorbereitetes Dokument, das sie prüft, ergänzt und weiterbearbeitet. Die KI übernimmt zeitaufwendige Recherche- und Dokumentationsaufgaben und schafft Freiräume für die medizinische Arbeit.
Für wiederkehrende Aufgaben lassen sich künftig spezifische Fähigkeiten, sogenannte „Skills“, definieren. Ein solcher Skill könnte beispielsweise täglich die OP-Checklisten für den Folgetag vorbereiten. Die Ausführung erfolgt automatisiert im Hintergrund oder wird bei Bedarf gezielt angestoßen.
Die Vision: Ein Agent Center für den klinischen Arbeitsalltag
Mit dem Konzept eines Agent Centers gibt Benning einen Ausblick darauf, wie sich d.velop die Zusammenarbeit zwischen Menschen und KI-Agenten künftig vorstellen kann.
In einer zentralen Oberfläche sollen Anwenderinnen und Anwender erkennen können, welche Aufgaben Agenten bereits erledigt haben, welche Ergebnisse zur Prüfung bereitstehen und wo weitere Entscheidungen erforderlich sind.
Die Vision geht damit deutlich über einen klassischen KI-Chat hinaus: KI-Agenten werden zu aktiven Bestandteilen digitaler Arbeitsprozesse. Sie bereiten Informationen und Dokumente vor, koordinieren einzelne Arbeitsschritte und beziehen Menschen gezielt dort ein, wo fachliche Entscheidungen erforderlich sind.
Für Krankenhäuser eröffnet diese Entwicklung neue Möglichkeiten, Fachkräfte von administrativen Routinetätigkeiten zu entlasten und Informationen genau dann bereitzustellen, wenn sie gebraucht werden.
Entscheidend bleibt dabei das Zusammenspiel von intelligenten Technologien, integrierten Prozessen und menschlicher Expertise.
Mehr zum d.velop Agent Center und der Idee dahinter lesen Sie hier: d.velop agent center | KI-Agenten steuern


