Cloud-Strategie: Anwendungen geben die Richtung vor

Im Interview erläutert Christin Kamp warum Krankenhäuser ihre Cloud-Strategie ganzheitlich und anwendungsbezogen gestalten sollten und welche Rolle dabei Cybersecurity, digitale Souveränität, Wahlfreiheit und Zukunftstechnologien wie KI spielen.

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Cloud, Cybersecurity und digitale Souveränität beschäftigen aktuell viele Krankenhäuser. Doch welche Fragen sollten sich Krankenhausentscheider heute wirklich stellen? Im Gespräch erläutert Christin Kamp, Senior Account Managerin im Geschäftsbereich Gesundheits- und Sozialwesen bei Diamant Software, warum moderne Cloud-Strategien weit mehr sind als eine Entscheidung über den Standort eines Rechenzentrums.

Frau Kamp, viele Krankenhäuser beschäftigen sich aktuell mit den Themen Informationssicherheit und neuen Betriebsmodellen.

Welche Fragen sollten sich Krankenhausentscheider heute stellen, wenn sie über Cloud-Strategien nachdenken?

Ich empfehle Krankenhäusern zunächst, die eigenen Anforderungen zu kennen.

Welche Sicherheitsanforderungen müssen erfüllt werden? Welche regulatorischen Vorgaben sind zu berücksichtigen? Welche digitalen Lösungen sollen künftig eingesetzt werden? Welche personellen und technischen Ressourcen stehen zur Verfügung? Und wie lässt sich die eigene digitale Handlungsfähigkeit langfristig sicherstellen?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, dann können sie sich für oder gegen die Cloud entscheiden. Cloud-Strategien sind heute keine reine Infrastrukturentscheidung mehr. Sie beeinflussen unter anderem die Innovationsfähigkeit, die Skalierbarkeit von Anwendungen und die Möglichkeiten, moderne Sicherheitsanforderungen umzusetzen. Deshalb lohnt es sich, das Thema ganzheitlich zu betrachten.

Cloud wird häufig noch als Infrastrukturthema diskutiert. Welche Rolle spielt die Cloud heute tatsächlich für moderne digitale Lösungen?

Viele moderne, digitale Lösungen entstehen heute cloudbasiert oder werden ausschließlich als Software-as-a-Service angeboten. Die Cloud ist deshalb häufig die technologische Grundlage, auf der diese Anwendungen überhaupt betrieben werden können.

Gleichzeitig stellen moderne Anwendungen neue Anforderungen an Skalierbarkeit, Verfügbarkeit und Sicherheit. Die Cloud bietet hier Möglichkeiten, die sich mit klassischen Betriebsmodellen häufig nur mit erheblichem Aufwand umsetzen lassen.

Die Cloud ist deshalb längst mehr als eine Alternative zum eigenen Rechenzentrum. Sie ist für viele digitale Lösungen ein wesentlicher Bestandteil des Betriebsmodells.

Diamant setzt für seine Cloud-Lösungen auf Microsoft Azure. Warum haben Sie sich bewusst für einen Hyperscaler entschieden?

Unsere Entscheidung für Microsoft Azure basiert auf technologischen und regulatorischen Anforderungen. Uns waren insbesondere Skalierbarkeit, hohe Verfügbarkeit, moderne Cloud-Technologien und die Einhaltung europäischer Datenschutzanforderungen wichtig.

Moderne Cloud-Architekturen benötigen heute beispielsweise flexible Rechenkapazitäten, automatische Skalierung und eine leistungsfähige Infrastruktur. Hinzu kommen Anforderungen an Resilienz und Cybersecurity.

Microsoft hat darüber hinaus früh auf europäische Datenschutzanforderungen reagiert und bietet Funktionen wie die EU Data Boundary oder Customer Lockbox, die insbesondere für hochregulierte Branchen von großer Bedeutung sind.

Ausschlaggebend war für uns also nicht der Name des Anbieters, sondern die Frage, welche Plattform unsere Anforderungen an Datenschutz, Sicherheit und Infrastruktur am besten erfüllt.

Welche Rolle spielt Cybersecurity heute bei der Entscheidung für eine Cloud-Strategie?

Eine sehr große. Cybersecurity ist keine einzelne technische Maßnahme, sondern ein kontinuierlicher Prozess.

Moderne Sicherheitsarchitekturen bestehen aus zahlreichen Komponenten. Dazu gehören beispielsweise Zero-Trust-Konzepte, kontinuierliches Monitoring, Security Operations Center, Angriffserkennungssysteme sowie unabhängige Backup- und Recovery-Strategien.

Die Geschwindigkeit moderner Angriffe nimmt kontinuierlich zu. Ransomware kann Unternehmen innerhalb weniger Minuten erheblich beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, Sicherheitsvorfälle möglichst frühzeitig erkennen und automatisiert darauf reagieren zu können.

Krankenhäuser müssen für sich die Frage beantworten, wie sich das notwendige Sicherheitsniveau dauerhaft wirtschaftlich und personell sicherstellen lässt.

Müssen sich Krankenhäuser eigentlich zwischen Eigenbetrieb und Cloud entscheiden?

Nein, diese Entweder-oder-Entscheidung gibt es in der Praxis häufig gar nicht. Cloud-Strategien sind heute sehr individuell und können sich in ganz unterschiedliche IT-Landschaften einfügen.

Nicht jedes Krankenhaus hat dieselben Voraussetzungen. Ein Universitätsklinikum verfügt über andere personelle und technische Ressourcen als ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung oder eine spezialisierte Fachklinik.

Professionell betriebene Cloud-Umgebungen können deshalb sehr unterschiedliche Rollen übernehmen. Sie können beispielsweise bestimmte Anwendungen als Software-as-a-Service bereitstellen, hochskalierbare Plattformen für moderne digitale Lösungen anbieten oder Krankenhäuser bei sicherheitskritischen und ressourcenintensiven Betriebsaufgaben unterstützen.

Aus unserer Sicht geht es deshalb nicht darum, den Eigenbetrieb vollständig zu ersetzen. Vielmehr sollten Krankenhäuser entscheiden können, welche Aufgaben sie selbst übernehmen möchten und wo spezialisierte Partner sinnvoll unterstützen können. 

Moderne Cloud-Strategien schaffen genau diese Wahlfreiheit.

Was bedeutet digitale Souveränität für Diamant im Zusammenhang mit Cloud-Technologien?

Digitale Souveränität bedeutet aus Sicht von Diamant vor allem Wahlfreiheit und Handlungsfähigkeit. Der Betrieb einer Software in der Cloud darf nicht zu unnötigen Abhängigkeiten führen. Deshalb verfolgen wir den Ansatz, unsere Cloud-Architektur so zu gestalten, dass ein Wechsel des Cloud-Anbieters grundsätzlich möglich bleibt.

Gleichzeitig bedeutet digitale Souveränität für uns, technologische Entscheidungen bewusst treffen zu können. Dazu gehört Transparenz darüber, wo Daten verarbeitet, welche Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt und wie regulatorische Anforderungen erfüllt werden.

Digitale Souveränität und Cloud schließen sich deshalb keineswegs aus. Im Gegenteil: Richtig umgesetzt können beide sehr gut zusammenpassen.

Welchen Rat würden Sie Krankenhausentscheidern abschließend mitgeben?

Mein Rat lautet, Cloud nicht isoliert als Infrastrukturthema zu betrachten. Die Diskussion berührt heute viele strategische Fragen: von Informationssicherheit und Cybersecurity über digitale Souveränität bis hin zu Innovationsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Vor allem gilt: Man muss immer von der konkreten Anwendung her denken. Welche Lösung soll eingesetzt werden und welche Anforderungen an Sicherheit, Datenschutz und Betrieb bringt sie mit? Daraus leitet sich eine bereichsspezifische Strategie je Anwendung ab – statt einer einzigen, pauschalen Gesamtstrategie für das ganze Haus.
Cloud und AI gehören dabei zusammen. Viele AI-Anwendungen entstehen heute cloudbasiert und benötigen die Rechenleistung, die Skalierbarkeit und die Datenbasis, die ausschließlich eine moderne Cloud-Umgebung bereitstellt. Wer seine Cloud-Strategie durchdacht aufstellt, schafft damit zugleich die Grundlage, um künftig von AI zu profitieren.

Lese Sie mehr über die Möglichkeiten der Cloud-Technologie in unserer Beitragsserie. Mit Click auf das Bild gelangen Sie zu den Artikeln. 

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