Es ist bereits alles gesagt! Die Frage ist: Wem können Sie glauben?
Interoperabilität, Cloud, KI – die Schlagworte der Gesundheits-IT sind bekannt. Auf Kongressen und in Interviews werden sie seit Jahren diskutiert. Doch warme Worte allein verändern noch keine IT-Landschaft.
Was Krankenhäuser wirklich brauchen, sind Lösungen, die im Alltag funktionieren, über Systemgrenzen hinweg und unabhängig von Herstellern. Warum Freundschaft und Kooperation dabei eine zentrale Rolle spielt, wissen Jörg Reichardt (AMC), Dr. Nils Benning (d.velop) und Michael Latz (medatixx). Gemeinsam bilden sie den Vorstand von United Web Solutions.
Wenn man die Diskussionen der letzten Jahre verfolgt, entsteht der Eindruck: Die Themen sind längst klar, aber es geht kaum voran. Woran liegt das?
Jörg Reichardt: Aus warmen Worten allein entstehen keine Lösungen. Das beschreibt die Situation ziemlich gut. Wir führen viele Grundsatzdiskussionen, aber im Alltag fehlt häufig die Konsequenz in der Umsetzung. Es wird zu lange analysiert, abgestimmt und abgesichert. Im Gesundheitswesen wird zu selten entschieden.
Dr. Nils Benning: Ich würde noch einen Schritt weiter gehen: Das Gesundheitswesen hat kein Digitalisierungsproblem, sondern ein Stagnationsproblem. Die notwendigen Technologien sind verfügbar. Was oft fehlt, ist die Bereitschaft, bestehende Strukturen zu hinterfragen und neue Wege konsequent umzusetzen.
Wie sieht vor diesem Hintergrund das Krankenhausinformationssystem der Zukunft aus?
Benning: Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass es das eine zentrale System geben wird. Das KIS der Zukunft ist kein monolithisches Produkt mehr, sondern eine Architektur aus spezialisierten Lösungen, die miteinander arbeiten.
Interoperabilität ist dabei keine technische Frage. Sie ist eine Machtfrage, deren Antwort zeigt, ob Anbieter bereit sind, ihre Systeme wirklich zu öffnen.
Reichardt: Das sehe ich auch so. Krankenhäuser sind hochkomplexe Organisationen. Diese Komplexität lässt sich nicht dauerhaft in einem einzigen System abbilden. Was wir stattdessen brauchen, sind modulare Strukturen, in denen spezialisierte Anwendungen ihre jeweiligen Stärken ausspielen. Vorausgesetzt, sie sind sauber integriert.
Welche Rolle spielen dabei webbasierte und modulare Technologien?
Michael Latz: Webtechnologie werden zum Standard. In Kombination mit etablierten Interoperabilitätsstandards wie FHIR schaffen sie die Grundlage für eine strukturierte und sektorenübergreifende Vernetzung von Systemen. Plattformansätze spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie Daten und Funktionalitäten gezielt bündeln und für unterschiedliche Anwendungen verfügbar machen. Auf dieser Basis lassen sich Best-of-Breed-Ansätze realisieren, bei denen spezialisierte Lösungen nahtlos in eine Gesamtarchitektur integriert werden können. Für Krankenhäuser, MVZ und Arztpraxen bedeuten sie vor allem weniger Abhängigkeiten, kürzere Innovationszyklen und bessere Skalierbarkeit.
Benning: Der entscheidende Punkt ist die Offenheit. Webbasierte Architekturen erleichtern die Integration unterschiedlicher Systeme erheblich. Sie schaffen eine wichtige Grundlage dafür, dass Daten überhaupt fließen können.
„Substanz schlägt PowerPoint!“
Im Gesundheitswesen wird zu viel analysiert und zu wenig entschieden. Aus Diskussionen entstehen keine funktionierenden Lösungen. Krankenhäuser brauchen Systeme, die im Alltag stabil laufen, über Grenzen hinweg integriert sind und echten Nutzen bringen. Interoperabilität darf kein Schlagwort bleiben – sie muss sich im Betrieb beweisen. Genau das erreichen wir nur, wenn Anbieter Zusammenarbeit nicht nur fordern, sondern aktiv liefern. Wir bieten Lösungen, die sich im Tagesbetrieb bewährt haben und durch echte Referenzen überzeugen.
„Architektur ist der Erfolgsfaktor“
Die Technologien für Interoperabilität, KI und moderne Architekturen sind längst vorhanden. Was fehlt, ist die Bereitschaft, bestehende Strukturen konsequent zu hinterfragen und neue Wege wirklich zu gehen. Das KIS der Zukunft ist kein monolithisches System mehr, sondern ein offenes Zusammenspiel spezialisierter Lösungen. Entscheidend ist nicht die Theorie, sondern dass Systeme im Alltag nahtlos zusammenarbeiten.
„Zusammenarbeit macht den Unterschied“
Technologie ist die Grundlage – aber der entscheidende Faktor ist Zusammenarbeit. Nur wenn Anbieter über Unternehmensgrenzen hinweg Verantwortung übernehmen, entstehen Lösungen, die im Alltag funktionieren. Genau dafür steht United Web Solutions: ein belastbares Netzwerk, das auf echten Beziehungen basiert. Hier entsteht Innovation nicht im Alleingang, sondern durch Austausch, Vertrauen und die gemeinsame Umsetzung konkreter Lösungen für die Versorgung.
Künstliche Intelligenz gilt als nächster großer Entwicklungsschritt. Wo sehen Sie den konkreten Nutzen?
Latz: KI lässt sich heute in vielen Anwendungsbereichen sehr gut integrieren. Entscheidend dabei ist die Qualität und Struktur der Datenbasis. Der größte Hebel liegt aktuell darin, Mitarbeitende im Alltag zu entlasten, etwa bei Dokumentation oder Informationsaufbereitung. Voraussetzung dafür ist, dass Daten strukturiert, verfügbar und verlässlich sind.
Reichardt: Ein grundlegendes Problem ist: Patientinnen und Patienten bewegen sich durch das System, ihre Daten bleiben jedoch viel zu oft zurück. Solange wir dieses Problem nicht lösen, wird KI ihr Potenzial nur begrenzt entfalten.
United Web Solutions steht für ein Netzwerk verschiedener Anbieter. Wie wollen Sie damit Krankenhäuser überzeugen?
Reichardt: Indem wir zeigen, dass Zusammenarbeit funktioniert. Unser gemeinsamer Fokus gilt den Anwenderinnen und Anwendern: Substanz schlägt PowerPoint! Wir bieten Lösungen, die sich im Tagesbetrieb bewährt haben und durch echte Referenzen überzeugen.
Benning: Interoperabilität entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern in der täglichen Praxis. Wenn Systeme wirklich zusammenspielen, entstehen durchgängige Prozesse – und genau das erwarten die Einrichtungen heute. Das Zusammenspiel der Lösungen von UWS-Mitgliedern ist keine ungewollte Konstellation oder blanke Theorie – sondern gelebte Praxis.
Latz: Technik ist die Grundlage aber entscheidend ist, wie Menschen zusammenarbeiten. Freundschaft gibt Kraft und schafft die Basis, Verantwortung zu übernehmen, auch über Unternehmensgrenzen hinweg. Genau dafür steht United Web Solutions. Das Netzwerk schafft den Raum für echten Austausch und belastbare Beziehungen. Hier kennt immer jemand jemanden, der eine Lösung hat und genau daraus entstehen funktionierende IT-Installationen für unsere Kunden.
Welche Rolle spielt dieses Ökosystem-Modell für die zukünftige Marktposition?
Latz: Die Anforderungen im Gesundheitswesen sind so komplex und dynamisch, dass kein Anbieter allein diese vollständig abdecken kann. Ein funktionierendes Ökosystem aus spezialisierten Partnern wird damit zur Voraussetzung für nachhaltige Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.
Benning: Nur ein funktionierendes Netzwerk schafft Geschwindigkeit und Innovationsfähigkeit. Und das brauchen wir dringend für unsere Versorgung.
Latz: Und wenn Systeme besser zusammenarbeiten, profitieren vor allem die Menschen, die täglich damit arbeiten und die Patientinnen und Patienten.
Wie wollen Sie den Markt überzeugen mutiger zu werden?
Benning: Mut lässt sich nicht verordnen, aber er lässt sich ermöglichen. Indem wir zeigen, dass funktionierende Alternativen existieren und dass Zusammenarbeit keine Theorie ist, sondern an vielen Orten bereits heute im Alltag wirkt.
Reichardt: Und indem wir Verantwortung übernehmen. Wer interoperable Lösungen fordert, muss sie auch liefern, und zwar stabil, praxistauglich und gemeinsam mit anderen. Vertrauen entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch funktionierende Ergebnisse.
Latz: Wenn Krankenhäuser erleben, dass Prozesse einfacher werden, Daten tatsächlich fließen und Mitarbeitende zufrieden sind, dann entsteht Vertrauen und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.


